Wir möchten Sie hier über mögliche und sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen informieren. Denn die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen beim Thema Prävention sind sehr begrenzt. Die Angebote der Kassen für Erwachsene, was den allgemeinen Check betrifft, sind schnell aufgezählt:

Ab 35 Jahren gibt es den „Check-up 35“, der (seit der umfangreichen Laborreform vom 1.1.19) nur alle drei Jahre ein kurzes Gespräch, ggf. eine körperliche Untersuchung beinhaltet, eine Urinuntersuchung sowie lediglich Blutwerte von Gesamt-Cholesterin und Blutzucker, welche alleine jedoch kaum in der Lage sind, Erkrankungen frühzeitig zu entdecken.

Ebenfalls ab 35 und alle 2 Jahre ist eine durchaus sinnvolle Hautkrebs-Screening-Untersuchung beim Hausarzt oder Dermatologen vorgesehen.

Ab 55 Jahren besteht der Anspruch auf eine Vorsorge-Darmspiegelung. Diese sollte man dringend vornehmen lassen, denn dabei werden evtl. Veränderungen nicht nur erkannt, sondern meistens gleich mit entfernt. Bei Darmkrebsfällen in der Familie ist eine Untersuchung in deutlich jüngeren Jahren notwendig.

Soweit reichen die Angebote der gesetzlichen Krankenkassen zur Primärprävention. Primär deshalb, da man vor Eintritt einer Erkrankung Vorsorgemaßnahmen ergreift. Private Krankenversicherungen sind da in der Regel großzügiger. Es gibt aber eine ganze Reihe von sinnvollen Untersuchungen, die man regelmäßig durchführen lassen sollte, die jedoch nicht zum Leistungsumfang der Kassen zählen, sofern es sich um reine Vorsorgeuntersuchungen handelt.

Laboruntersuchungen
Man muß sich im Klaren sein, daß auch eine umfängliche Blutuntersuchung nicht die Aussagekraft einer Glaskugel hat. Erstens gibt es viele tausende spezielle Laborparameter, die man unmöglich auch nur annähernd komplett bestimmen kann. Außerdem schließen (noch) normale Blutwerte den Beginn einer Erkrankung nicht zuverlässig aus. Und man findet nur das, wonach man sucht. Welche Werte aber sinnvoll seien können, wird im Folgenden aufgeführt:

Blutfette
Neben dem Gesamtcholesterin, das die Kassen bezahlen, sollten auch die Lipoproteine HDL und LDL sowie die freien Fettsäuren (Triglyceride) bestimmt werden, welche einen wesentlichen Hinweis auf Fehler in der Ernährung und somit auf das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko liefern können.

Leberwerte
Die Analyse von Bilirubin, y-GT, GOT und GPT geben Hinweise auf fortgeschrittene Leberprobleme, sei es eine entzündliche Erkrankung oder eine Funktionsstörung durch Medikamente oder Genußmittel.

Nieren
Die Bestimmung von Kreatinin und Harnsäure zeigen Nierenfunktionsstörungen bzw. Neigung zu Gicht auf. Gehört nur bei Diabetikern zur regelmäßigen Routine.

Blutbild
Wird von vielen Laien als anderes Wort für „Laborblatt“ gleichgesetzt. Es handelt sich aber lediglich um eine mikroskopische Untersuchung des Vollblutes, also die Zahl und Verteilung der roten und weißen Blutkörperchen. Wurde früher mit dem Auge am Mikroskop durchgeführt, daher der Name Blutbild. Hieran lassen sich entzündliche Erkrankungen ablesen, auch Anämien (Blutarmut) verraten sich hier oder gar Leukämien. Ebenfalls nicht im Leistungsumfang der Kassen, wenn es sich um eine Vorsorgeleistung handelt.

Eisen
Der Eisengehalt des Serums schwankt sehr stark. Ein normaler Eisenwert schließt eine Anämie nicht aus.

Langzeit-Zucker
Vielmehr als der augenblickliche Nüchtern-Blutglucosewert erlaubt der HbA1C-Wert eine Beurteilung der Stoffwechsellage der letzten Monate. Bei bekanntem Diabetes mellitus wird dieser Parameter regelmäßig ermittelt, zum Vorsorgeprogramm gehört er jedoch nicht.

Elektrolyte
Sind im Blut im Serum (Blutwasser) gelöst und werden durch Puffersysteme meist konstant gehalten. Interessant wäre die Konzentration in den Zellen, hierfür sind aber sehr teure Spezialuntersuchungen nötig. Gelegentlich kommt es aber auch im Serum zu Verschiebungen. Zum Beispiel beim Kalium, da es durch z.B. Medikamente beeinflusst werden kann. Veränderungen hier können zu Herzrhythmusstörungen führen.

Schilddrüse
Die Parameter TSH, fT3, fT4 geben Hinweis auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. Als Verlaufskontrolle bei bekannten Schilddrüsenerkrankungen wird das TSH regelmäßig bestimmt, ist aber zum Screening von den Kassen nicht vorgesehen.

Vitamine
Bei einigen Vitaminen ist eine gelegentliche Kontrolle sinnvoll, wird von den Kassen aber nicht bezahlt. Das Vitamin B12 ist wichtig für Blutbildung, Nährstoffaufnahme und Nerven und fehlt häufig älteren Menschen und Vegetariern. Auch Stress und verschiedene Medikamente wie z.B. Metformin oder Magensäureblocker können einen erhöhten B12-Bedarf bewirken. Vitamin D ist wichtig u.a. beim Knochenstoffwechsel. Ein Mangel hieran tritt häufig in den Wintermonaten auf und kann auf Dauer zu z.B. Osteoporose führen.

Homocystein
Beim Homocystein handelt es sich um ein Abfallprodukt aus dem Eiweißstoffwechsel. Erhöhte Werte werden mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht und sprechen für einen Mangel an B-Vitaminen und Folsäure.

PSA
Bei Männern kann die regelmäßige Bestimmung zum Aufdecken von Prostatakrebs sinnvoll sein. Wegen vieler falsch-positiver und falsch-negativer Befunde ist die Bedeutung dieses Tests in Fachkreisen umstritten, daher bezahlen ihn die Kassen auch nicht.

Das Gleiche gilt für andere Tumormarker, die als einzelner Wert nicht für den Ausschluß einer Krebserkrankung geeignet sind.

All diese Einschränkungen seitens der Kassen gelten für die Gesundheitsuntersuchung im Rahmen der Primärprävention. Also eine Untersuchung, die am Gesunden, ohne Vorliegen von Krankheitszeichen vorgenommen wird. Sollten sich im Gespräch oder bei der körperlichen Untersuchung abklärungsbedürftige Befunde zeigen, ist eine gezielte Laboranalyse selbstverständlich eine Kassenleistung. Aber nur dann, und nicht, um einfach mal „zu schauen, ob alles in Ordnung ist“.

Und – wie gesagt – normale Blutbefunde schließen eine drohende Erkrankung (z.B. eine sich schleichend entwickelnde Blutarmut) nicht zuverlässig aus. Hinweise auf Mangel- oder Vergiftungszustände sucht man eher woanders, bevor irgendein Laborparameter sich verändert. Trotz Leberwerten im Normbereich kann bereits eine massive Leberschädigung vorliegen!

Wenn eine chronische Erkrankung wie z.B. Diabetes, Schilddrüsenstörung oder Arteriosklerose bekannt ist, werden bestimmte Blutwerte auf Kosten der Krankenkassen im Rahmen der Sekundärprävention regelmäßig kontrolliert. (Sekundär deshalb, weil eine bestimmte Erkrankung bereits vorliegt, jedoch Folgeschäden vermieden werden sollen) . Seit der Laborreform vom 1.1.19 gilt dies aber nur für eine sehr begrenzte Zahl von Parametern. So werden z. B. beim Diabetiker Langzeitzucker und Nierenwert bezahlt, nicht aber Blutfette oder Leberwerte.

Um es zusammenzufassen: Die gesetzlichen Kassen bezahlen als Vorsorgeleistung im Labor nur alle drei Jahre die Bestimmung von Cholesterin und Blutzucker. Alle anderen Blutwerte gehören nicht dazu. Es gibt durchaus Werte, bei denen die gelegentliche Bestimmung sinnvoll sein kann. Normale Parameter schließen eine Erkrankung aber nicht sicher aus.

Es gibt durchaus sinnvollere Vorsorgemaßnahmen, als sich auf irgendwelche Laborwerte zu verlassen. Hin und wieder eine Darmspiegelung und regelmäßige Besuche bei der Frauenärztin oder beim Urologen sind uneingeschränkt empfehlenswert.

Eine biophysikalische Untersuchung der Körpersysteme kann zudem mit geringem Aufwand versteckte Belastungen durch z.B. Umweltgifte aufdecken.

Bei Bedarf sprechen Sie uns an, gemeinsam finden wir eine sinnvolle und ökonomische Lösung.