Liebe Patienten!

Der Herbst ist die Jahreszeit, in der grippale Infekte, „Erkältungen“ gehäuft auftreten. Das liegt zum einen an der Witterung, die die Auskühlung der Schleimhäute begünstigt und somit deren Abwehr lahmlegt. Zum anderen sinkt mit den kürzer werdenden Tagen die Stimmung und wir werden somit empfänglicher für Infektionen. Die banale Erkältung ist ein Paradebeispiel für eine psychosomatische Erkrankung: Überarbeitung, Streß und Ärger im Beruf, aber auch Unterforderung und erlebte Geringschätzung schwächen das Immunsystem.

Erkältungen werden durch verschiedene Arten von Viren verursacht. Sie sind auf einen Wirtsorganismus angewiesen und übertragen sich durch Tröpfchen z.B. beim Anhusten oder -niesen oder durch Körperkontakt beim Händeschütteln. Überleben können die Viren für gewisse Zeit auch auf Oberflächen wie Computertastaturen, Handgriffen oder Türklinken. Man infiziert sich dann in dem Moment, in dem man sich unbedacht an die Nase fasst.

Zu behandeln sind nur die Symptome der Erkältung. Die Dauer der Erkrankung wird hierdurch kaum beeinflusst. Der Spruch „mit Medikamenten eine Woche, ohne sieben Tage“ hat durchaus etwas Wahres. Es dauert also seine Zeit. Es gibt in der Regel keinen Grund, sich nach drei Tagen größere Sorgen zu machen.

Wichtig bei der Bewältigung der Krankheit ist die innere Einstellung: Erlauben sie sich die Auszeit. Verschleppen sie die Erkältung nicht, denn das kann unvorhersehbare Folgen in der Zukunft haben. Lassen sie sich krank schreiben und kurieren sie die Krankheit in Ruhe aus.

Von der Erkältung abzugrenzen ist die echte Grippe. Hier handelt es sich auch um Viren, die verglichen mit den Schnupfenviren aber viel krankmachender sind. Die Infektionswege sind dieselben. Kennzeichnend für die echte Grippe im Gegensatz zum banalen grippalen Infekt ist vor allem die Tatsache, daß die Krankheit schlagartig beginnt: Aus völliger Gesundheit heraus tritt plötzlich hohes Fieber auf in Verbindung mit einem heftigen Krankheitsgefühl. Erkältungssymptome wie Schnupfen, Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen kommen erst später hinzu. Außerdem kann Durchfall auftreten.

Die Grippe belastet den Organismus enorm und kann bei geschwächten Personen tödlich enden. Darum ist es so wichtig, die Ausbreitung so gut als möglich zu unterbinden.

Wir bekommen es immer wieder mit Grippe-Epidemien zu tun, die Ländergrenzen und Kontinente überschreiten, und somit als Pandemie bezeichnet werden. Die Frage ist nicht, ob die Grippe kommt, denn das scheint sicher. Die Frage ist, wann sie kommt und wie stark sie zuschlägt.

Die Inkubationszeit bezeichnet den Zeitraum zwischen Kontakt mit den Viren und Ausbruch von Symptomen und beträgt etwa eine Woche.

Lassen Sie sich impfen! Die jährliche saisonale Grippeimpfung ist wichtig, um eine hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung zu erreichen. So können Mutationen von verschiedenen Grippeviren im Organismus verhindert werden. Fast jedes Jahr bilden sich neue Mutationen des Virus, woraufhin neue Impfstoffe entwickelt werden. Ende September beginnen die Impfungen gegen die Grippe. Oben auf der Liste stehen medizinisches Personal, chronisch Kranke und Schwangere. Gegen banale Infekte schützt die Impfung freilich nicht.

Infektionsschutz

Bei Auftreten von Erkrankungen in der Umgebung: Meiden Sie Menschenansammlungen. Nutzen Sie verkehrsarme Tageszeiten, wenn Sie Einkäufe zu erledigen haben. Geben Sie niemandem die Hand und waschen sie sich regelmäßig die Hände. Verzichten Sie auf Küßchen zur Begrüßung.

Ein Mundschutz mag sicher übertrieben sein, Handschuhe hingegen können ein wirksamer Schutz sein.

Kranke müssen unbedingt isoliert werden. Wenn Sie selbst erkrankt sind: Bleiben Sie zuhause!

Medikamente

Neben den üblichen Fieber senkenden Mittel, die auch bei einer banalen Erkältung Anwendung finden, gibt es gegen Influenzaviren spezifische Medikamente. Diese sind jedoch in ihrer Wirkung umstritten und haben gravierende Nebenwirkungen. Sie sind heutzutage der Behandlung von schwersten Fällen im stationären Bereich vorbehalten

Medikamente gegen Erkältungssymptome gibt es reichlich frei zu kaufen. Sinnvoll ist immer ein Mittel, welches das Abhusten erleichtert. Omas Hausmittel, Zwiebelsaft, Kartoffelwickel, etc., haben meist auch ihre Berechtigung. Viel Flüssigkeit hilft bei der Sekretproduktion und bei der Entgiftung. Frischer Ingwer, als Sud aufgegossen oder pur gekaut, ist antiseptisch wirksam und hilft wegen der Schärfe gegen Halsschmerzen.

Sogenannte NSAR, also Paracetamol, Aspirin, Ibuprofen, etc., werden gerne gegen die ersten Symptome genommen. Der Vorteil ist, daß es einem dadurch ein wenig besser geht. Jedoch stellen sie eine Unterdrückung dar und verlängern im Zweifel eher die Dauer der Erkrankung. Also nicht unkritisch nehmen, sondern wie bei Kindern erst bei deutlich erhöhter Temperatur, ab 38,5°C.

Sinnvoller sind wie gesagt schleimlösende Medikamente, welche es auf pflanzlicherBasis in großer Auswahl frei verkäuflich in der Apotheke gibt. Auch immunstimulierende Mittel wie z.B. Echinacea können bei beginnenden Infekten die Erkrankung mildern. Gleiches gilt für Zinkpräparate. Ein besonderes Mittel ist ein Extrakt aus der Kapland-Pelargonie (z.B. Umckaloabo®). Hier sind antibakterielle und vermutlich auch antivirale Eigenschaften nachgewiesen.

Antibiotika helfen gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Weder bei der Erkältung, noch bei der echten Grippe. Eine sofortige Behandlung mit Antibiotika ist daher nicht nur sinnlos, sondern gefährlich, da sie den Organismus noch zusätzlich schwächen können. Untersuchungen zeigen immer wieder, daß sich die Krankheitsdauer durch Antiobiotika nicht verkürzt. Allenfalls die Erwartungshaltung, ein starkes Medikament zu bekommen, hilft durch den Placeboeffekt. Außerdem schlagen Antibiotika eine empfindliche Scharte in das Enterobiom, die Vielzahl der nützlichen Darmbakterien. Die Folge sind Verdauungsstörungen und Durchfall. Angezeigt sind Antibiotika nur dann, wenn sich im Verlauf einer Grippe zusätzlich z.B. eine eitrige Bronchitis mit grünem Sekret „aufpflanzt“. In diesem Fall wird die Antibiotikatherapie gegen die Sekundärinfektion, den bakteriellen Befall der durch Viren vorgeschädigten Schleimhaut notwendig.

Vorbeugen kann man durch eine vernünftige Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen. Im Hinblick auf Erkältungen ist natürlich Vitamin C zu nennen, welches ein wichtiges Antioxidans ist, und von Menschen – im Gegensatz zu den meisten Tieren – mit der Nahrung aufgenommen werden muß. Man kann zwar über den Darm nur begrenzt Vitamin C aufnehmen, aber man sollte im Erkrankungsfall ruhig so viel nehmen wie geht. Ascorbinsäure kann man in der Drogerie billig kaufen und mehmals täglich einen gestrichenen Teelöffel zu sich nehmen, z.B. In ein Joghurt eingerührt.

Weit verbreitet ist gerade in der dunklen Jahreszeit ein Mangel an Vitamin D. Dieses sorgt nicht nur für den Knochenstoffwechsel, sondern schützt auch vor Infekten. Auch ein Zinkpräparat ist zur Prävention hilfreich.