Liebe Patienten!

Endlich Frühling! Warme Sonne, laue Luft, überall grünt es und die Vögel zwitschern. Die Erkältungszeit ist vorüber und auch in der Seele scheint wieder die Sonne. Doch was für die meisten von uns schön ist, wird für andere zur Qual:

Alle Jahre wieder – Heuschnupfen

Der Heuschnupfen ist von allen Allergien die häufigste, über 15% der Bevölkerung leiden darunter. Tendenziell ist eine Zunahme zu verzeichnen, denn aufgrund des Klimawandels fliegen die Pollen früher und länger. Außerdem nimmt durch die geringere Belastung durch andere Umweltfaktoren die individuelle Bereitschaft zur Allergieausbildung zu. Die saisonale allergische Rhinitis ist nicht nur lästig, sondern auch gefährlich. Droht doch bei unzureichender Therapie der Etagenwechsel, sprich ein Übergreifen der Symptomatik von den oberen auf die unteren Luftwege: Das Asthma bronchiale.

Das Immunsystem spielt verrückt: Das die allergische Reaktion auslösende System war ursprünglich zur Abwehr von Parasiten gedacht. Doch seitdem es in der modernen Zivilisation solche Erkrankungen kaum noch gibt, schlagen die Zellen nun bei völlig harmlosen Stoffen Alarm. Und das kräftig: Eine einzelne Roggenähre kann bis zu vier Millionen Pollenkörner produzieren, doch nur 20 davon auf einen Kubikmeter Luft können beim Allergiker Symptome hervorrufen.

Die Symptome kommen durch die Ausschüttung des Botenstoffes Histamin aus den Mastzellen zustande. Diese wiederum bekommen den Auftrag hierzu von anderen Immunzellen, die bei einem früher stattgehabten Kontakt mit dem Allergen (dem Allergie-auslösenden Stoff) „scharfgemacht“ worden sind.

Warum es überhaupt dazu kommt, daß der Körper derart fehlreagiert, ist immer noch weitgehend unbekannt. In neuerer Zeit gibt es Ansätze, im wichtigsten Vermittler des Immunsystems im Körper, nämlich dem Darm, die Antwort zu finden. Das Enterobiom, die Vielzahl der Bakterien im Darm, entscheidet mit, was vom Körper vertragen wird und was ihm schadet. Das teilt sich dem Menschen aber nicht unmittelbar mit, sondern führt zu einer Störung der gesamten Harmonie des Körpers. Ein Ungleichgewicht in der Darmflora kann somit durchaus Haut- oder Schleimhautsymptome verursachen. Wichtig ist auch die Diversität, also Vielfalt der Darmkeime. So erklärt sich, daß Allergien bei Stadtkindern wesentlich häufiger sind als auf dem Land.

Medikamente

Schulmedizinische Medikamente setzen an der Symptomkontrolle an. Antihistaminika schwächen die Wirkung von Histamin in Haut und Schleimhäuten. Haben sie früher noch die Nebenwirkung der Müdigkeit gehabt, so sind die modernen, frei verkäuflichen Präparate gut verträglich. Die Mittel (z.B. Loratadin, Cetrizin) können bei Bedarf genommen werden und wirken recht schnell. Mastzellblocker (Cromoglycinsäure) müssen über einen längeren Zeitraum, also schon vor Beginn der Saison, eingenommen werden. Im akuten Fall sind sie wirkungslos. Kortison ist als Nasenspray auch bei Augensymptomen sehr wirkungsvoll und nebenwirkungsarm. Auch dieses muß während der Saison regelmäßig genommen werden. Leukotrienantagonisten sind eine moderne Entwicklung. Sie greifen an anderer Stelle in das Botenstoff-System ein. Sie werden bislang vorwiegend bei Kindern und beim Etagenwechsel eingesetzt.

Bewährt hat sich auch die Homöopathische Behandlung. Zum einen läßt sich häufig im Rahmen der klassischen Homöopathie ein Einzelmittel finden, zum andern gibt es Komplexmittel in der Apotheke zu kaufen. Ein anderes alternativmedizinische Verfahren ist die biophysikalische Medizin, die sowohl Diagnostik als auch Therapiemöglichkeit bietet. Hierbei wird häufig sowohl das auslösende Agens identifiziert, als auch das Problem behandelt, warum der Körper so heftig darauf reagiert.

Hyposensibilisierung

Eine etablierte Therapieform ist die De– (eigentlich Hypo) sensibilisierung. Hierbei wird, nachdem der Auslöser identifiziert ist, über mehrere Jahre hinweg regelmäßig eine steigende Konzentration des Allergens unter die Haut gespritzt. Das Immunsystem soll so an die Substanz gewöhnt werden. Hierzu berät sie der Allergologe. Die Folgebehandlung erfolgt dann hier bei Ihrem Hausarzt.

Allergenkarenz

Wenn man gegen einen Stoff allergisch ist, so muß man ihn meiden. Klingt nach einer Binsenweisheit. Ist auch eine. Aber für Pollenallergiker ist sie nicht so einfach umzusetzen, denn man kann ja nicht sechs Wochen lang zuhause bleiben und nur bei Regen ins Freie gehen. Was kann man aber tun, um den Pollen aus dem Weg zu gehen?

Wissen, worauf man reagiert. Ein Allergietest, meist als sogenannter Pricktest an der Haut durchgeführt, wird von Haut- oder HNO-Ärzten angeboten. Wir überweisen sie gerne.

Sich informieren. Im Rundfunk oder im Internet bekommt man Informationen über Pollenflug. Wenn man weiß, was bei einem die Symptome auslöst, kann man sich danach richten.

Den Kontakt vermeiden. Ein Allergiker sollte nicht ausgerechnet am Nachmittag bei Sonnenschein über die Wiesen joggen gehen. Der frühe Morgen ist hierfür besser geeignet, wenn die Wiesen noch feucht sind.

Den Kontakt verkürzen. Nehmen sie die Pollen nicht mit ins Bett! Jeden Abend duschen und Haare waschen, die Kleidung im Badezimmer wechseln.

Nasendusche. Salzwasserspülungen der Nase bewirken eine physikalisch-mechanische Reinigung der Nase. Hierbei werden Pollen aus der Nase herausbefördert. Somit ist diese Maßnahme bei Allergikern, während der Saison abends regelmäßig angewandt, durchaus sinnvoll. Nasenspülflasche und Salz gibt es in der Apotheke zu kaufen. Das Salz ist wichtig, damit es eine Lösung ergibt, die dem Salzgehalt des Körpers entspricht (etwa 9 Gramm pro Liter). Im Prinzip kann man auch Speisesalz oder Meersalz nehmen, der Vorteil vom Salz aus der Apotheke ist die einfache Anwendung durch die Konfektionierung in Beutelchen.

Übertriebene Hygiene schadet

Wie oben erwähnt, nehmen allergische Erkrankungen aufgrund von geringeren Umweltbelastungen zu (Schmuddelkinder-Phänomen). Ein normaler Umgang mit natürlichen Erregern hält das Immunsystem auf Trab und im Gleichgewicht. Desinfektionsmittel sind im medizinischen Bereich unerläßlich, aber sie haben im Haushalt nichts verloren!

Hausstauballergie

Diese Allergie tritt im Gegensatz zum Heuschnupfen ganzjährig, mit Betonung der Wintermonate auf. Das Allergen ist der Kot der Hausstaubmilbe, die sich vor allem bei uns im Bett wohlfühlt, da sie sich von unseren Hautschuppen ernährt. Sie ist ein winziges Spinnentier, 10-15000 Tiere findet man in einem Gramm Staub! Ihr ist kaum zu entkommen, es sei denn, man lebt auf 2000 Metern Höhe. Sämtliche Produkte der Industrie, seien es chemische Keulen oder spezielle Bettbezüge, haben sich als wenig bis gar nicht wirksam erwiesen.

Was Milben gar nicht mögen, ist frische Luft. Sorgen sie dafür, daß die Bettwäsche täglich gelüftet und wöchentlich gewechselt wird. Auch die Matratze sollte regelmäßig erneuert werden. Verbannen sie Stofftiere und andere Staubfänger aus ihrem Schlafzimmer oder waschen sie sie regelmäßig. Halten sie auch die Luft im Schlafzimmer frisch und kühl.