Liebe Patienten!

Droge Nr.1: Das Rauchen

Sie werden es gemerkt haben: Das Rauchen ist ein wesentliches Diskussionsthema in der letzten Zeit. Rauchverbote finden sich allerorten, die gesellschaftliche Akzeptanz sinkt stetig. Kurzum: Rauchen ist out!

Aber wie kommen wir zu dieser Sucht? Was geht im Raucher vor, daß er in regelmäßigen Abständen zur Zigarette greifen muß, um sich auf das Ruheniveau eines Nichtrauchers zurückzubewegen?

Nikotin – der falsche Freund

Nikotin ist eines der stärksten Nervengifte, das wir kennen. Der Nikotingehalt einer einzigen Zigarette – dem Körper auf einmal zugeführt – würde uns auf der Stelle umbringen.

Die Wirkung des Giftes auf den Organismus ist besonders raffiniert und hinterhältig: Es gleicht nämlich einem natürlichen Botenstoff (Acetylcholin) wie ein Ei dem anderen und kann daher an den gleichen Rezeptoren ansetzten. Nach der Aufnahme von Nikotin über die Schleimhaut kommt es innerhalb von Sekunden im Gehirn an. Die Folge ist die Ausschüttung von Dopamin, welches neben einer Reihe von Kreislaufeffekten vor allem eines auslöst: Das Gefühl der Belohnung. Da freut sich das kleine Nikotinmonster in unserem Kopf, daß es wieder einmal geschafft hat, daß wir es füttern. Es ist aber gefräßig. Seinen Hunger vermittelt es uns über den sinkenden Dopamin- (wichtig: nicht Nikotin-) Spiegel. Somit geht das Spiel Hunger-Fütterung-Belohnung von vorne los. So etwas nennt man klassische Konditionierung. Das Monster braucht nur auf einen Knopf zu drücken und sie füttern es ohne nachzudenken! Die Werbung tut ein weiteres, indem sie Ihnen etwas in den Kopf impft, was dieses Belohnungsgefühl mit Freiheit, Attraktivität, Lebensart und Geselligkeit verknüpft. Merken sie etwas? Sie sind eine Ratte im Versuchslabor und werden erfolgreich einer Gehirnwäsche unterzogen!

Das Nikotin ist das eine Problem, das andere sind etwa 4000 Substanzen, die im Tabak enthalten sind, oder ihm zugesetzt werden, um so etwas wie „Geschmack“ oder „Duft“ zu erreichen, welcher nicht nur den Kunden an die Marke binden, sondern das Zeug überhaupt erträglich machen soll. Von diesen vielen Substanzen sind die wenigsten auf ihre Wirkung hin untersucht, und schon gar nicht, wenn man sie verbrennt. Auf vielen krebserregenden Substanzen, Schwermetallverbindungen oder Nitrosamine wollen wir jetzt nicht im Einzelnen hinweisen. Es genügt, wenn sie sich einmal die schwarzbraune Soße anschauen, die den Zigarettenfilter ziert. Nur ein Beispiel noch:

Bei einem einzigen Zug aus einer Zigarette nimmt ein Raucher derartig viel Kohlenmonoxid (CO) auf, daß selbst die Ausatemluft noch ein Vielfaches der maximal zugelassenen Arbeitsplatzkonzentration von CO enthält!

Daß rauchen Krebserregend ist, wissen sie schon längst, auch daß es Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigt. Ebenso ist Ihnen das Raucherbein ein Begriff. Sicher haben sie auch schon von Magengeschwüren, Nierenschäden, Hautalterung, Zahnausfall, Unfruchtbarkeit und Impotenz als Folgen des Rauchens gehört.

Vielleicht ist Ihnen aber noch nicht so bewußt, daß Flimmerhärchen der Schleimhaut unserer Atmungsorgane, die die Aufgabe haben, Gifte und Staub hinauszubefördern, schon durch eine Zigarette gelähmt werden. Bei langjährigen Rauchern verschwinden diese Härchen ganz. Daher muß der Raucher soviel Husten, um seine Atemwege freizubekommen.

Rauchen und Diabetes

Ein besonderer Aspekt betrifft die Diabetiker: Die ohnehin vorhandenen Organschäden des Diabetikers werden durch das Rauchen massiv verschlechtert: Die Niere droht weitaus früher zu versagen, Augenschäden sind gravierender, der Blutdruck wird schlechter einstellbar, Durchblutungsstörungen bereiten mehr Probleme. Aber auch der Diabetes selbst verschlechtert sich, weil die Insulinempfindlichkeit durch das Rauchen abnimmt. Rauchen verdoppelt das Risiko, an den Folgen der Zuckerkrankheit zu sterben!

Andersherum ist aber auch die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, für Raucher deutlich höher.

Wollen wir nun nicht weiter von den negativen Auswirkungen des Rauchens erzählen, sondern lieber die positiven Aspekte des Aufhörens beleuchten:

  1. 20 Minuten nach der letzten Zigarette normalisieren sich Herzschlag und Körpertemperatur.
  2. 8 Stunden später hat sich das Kohlenmonoxid in der Blutbahn verflüchtigt und schafft Platz für
  3. Sauerstoff
  4. Nach 1 Tag sinkt das Herzinfarktrisiko
  5. Nach 2 Tagen verbessern sich Geruchs- und Geschmackssinn.
  6. Am 3. Tag verbessert sich die Atmung
  7. Nach 3 Monaten hat sich das Lungenvolumen um 30% vergrößert
  8. Nach 1 Jahr ist das Risiko für einen Herzinfarkt halbiert, nach 2 Jahren fast auf normalem Wert.
  9. 10 Jahre nach dem Rauchstopp ist das Lungenkrebsrisiko fast auf Nichtraucher-Niveau.
  10. Nach 15 Jahren haben sie praktisch nie geraucht.

Geld sparen

Rechnen sie mal nach: Eine Schachtel am Tag = 30 Schachteln im Monat = 365 Schachteln im Jahr. Das ist ein Urlaub für die ganze Familie am Mittelmeer. Auf ein Raucherleben gerechnet summieren sich die Ausgaben incl. Zins und Zinseszins auf den Wert einer Immobilie auf Mallorca, wo sie einmal Ihre Rente genießen können. (Von der Sie allerdings gar nichts haben werden, wenn sie nicht jetzt aufhören zu rauchen!)

Das wahre Gefühl von Freiheit

Stellen Sie sich vor, sie müssten nie wieder überlegen, ob noch genug Zigaretten im Haus sind. Beim Ausgehen nie wieder Tabak und Feuerzeug einstecken müssen. Keine Fahrten mehr zur Tankstelle am Sonntagabend! Nie wieder stinkende Kleidung. Keine hastigen Kippen in der Kälte vor der Tür, keine Nase rümpfenden Kollegen mehr. Na, wie wäre das?

Einfach aufhören!

Der von vielen befürchtete Entzug ist nur mit geringen körperlichen Symptomen verbunden, und auch nur für kurze Zeit. Sie schaffen doch jetzt auch, eine ganze Nacht schadlos durchzuschlafen! Nach drei Tagen haben sie es geschafft. Dann gilt es allerdings, sich das Rauchen buchstäblich abzugewöhnen, sprich das gespeicherte Rauchprogramm aus ihrem Gehirn zu entfernen.

Manche Leute nehmen ein wenig zu. Das liegt an dem veränderten Grundumsatz ihres Körpers. Rauchen kostet nicht nur Geld, sondern auch Energie!

Sport

Planen sie ein Programm mit leichtem Ausdauersport, z.B. Fahrrad fahren, Schwimmen oder Laufen. Sie müssen es aber nicht übertreiben. Das Schöne ist, daß sie die Verbesserung ihrer Lungenkapazität an ihren Leistungen verfolgen können.

Belohnung

Machen sie sich eine Freude, leisten sie sich etwas von ihrem ersparten Geld. Gehen sie schick Essen und genießen sie den zurückkehrenden Geschmackssinn. Gehen sie shoppen und kaufen sich ein Kleidungsstück, das sie bestimmt nicht verräuchern werden.

Hilfe

Sprechen sie uns an, wenn sie sich helfen lassen möchten. Es gibt z.B. die Möglichkeit, die Nikotinrezeptoren mit einem Medikament zu blockieren, sodaß erstens die Entzugserscheinungen abgeschwächt werden, zweitens die Belohnung für die Fütterung des Nikotinmonsters ausbleibt.

Nichtraucherkurse werden von Krankenkassen angeboten oder von privaten Anbietern veranstaltet.

Auch Hypnosebehandlungen können dem einen oder anderen helfen.

Billiger Rat

Zum Doktor du nicht gehen brauchst

Solange du noch trinkst und rauchst.
Wozu sich lang verschreiben lassen,
Was man doch selbst weiß: Bleiben lassen!

Eugen Roth

Bleiben Sie gesund!