Liebe Patienten,

gerade in den Sommermonaten kommt es häufig vor, dass wir es mit Zuständen zu tun haben, die sich auf die ungenügende Zufuhr von Flüssigkeit zurückführen lassen.

Wir trinken alle viel zu wenig.

Wasser ist der wichtigste Baustein in unserem Organismus. Sämtliche biochemischen Reaktionen brauchen Wasser. Alle Organe sind auf die ausreichende Zufuhr von Wasser angewiesen. Die Lungen brauchen es zur Aufrechterhaltung der Oberfläche für den Gasaustausch, der Magen-Darm-Trakt zum Transport und zur Aufnahme der Nahrung. In der Leber finden unzählige Stoffwechselprozesse unter Verwendung von Wasser statt, und nicht zuletzt brauchen die Nieren jede Menge Wasser, um Giftstoffe aus dem Körper ausschwemmen zu können.

Dumm nur, dass wir nicht in der Lage sind, in einer nennenswerten Menge das lebenswichtige Wasser zu speichern. Dazu kommt, dass unser Durstgefühl stark verkümmert ist. Wenn wir Durst bekommen, ist es eigentlich schon fast zu spät. Wenn uns dann sogar ein trockener Mund vor der Austrocknung warnt, sind Niere und Darm schon längst dazu übergegangen, das Wüstenprogramm zu starten um das letzte Tröpfchen Wasser aus den Ausscheidungsprodukten zurückzugewinnen. Entgiftung oder Verdauung findet dann nicht mehr statt. Auch die Leber läuft auf Sparflamme, und die Lungen verengen ihre Bronchiolen, um das Abatmen von Wasserdampf zu vermindern.

Der Fehler, den wir dann begehen, ist meist der, dass wir dann ein paar Schlucke trinken, maximal ein Glas. Die Mundschleimhaut ist befeuchtet, das Durstgefühl ist erstmal weg. Das ist aber viel zu wenig! Das ist wie bei der Ölkontrollleuchte im Auto: Wenn die brennt, ist der Ölstand auf unter Minimum abgefallen. Übertragen auf uns bedeutet es, dass wir in dieser Situation jetzt mindestens einen Liter Wasser brauchen!

Woran können wir also merken, dass wir Wasser brauchen, wenn wir uns auf das Durstgefühl schon nicht verlassen können? Wie gibt sich der Durst frühzeitig zu erkennen?

Die frühesten Anzeichen liefert das Gehirn, denn dieses Organ ist von allen am dringendsten auf eine konstante Energiezufuhr angewiesen, und Wasser ist der wichtigste Energieträger.

Unmotivierte Müdigkeit

Nahrungsstoffe können ohne Wasser nicht an den Ort ihres Verbrauches gelangen, auch die Nerven arbeiten unter Wassermangel nicht richtig.

Reizbarkeit und Erregbarkeit

Reizbarkeit ist ein Zeichen für das Einsparen energieverbrauchender Denkvorgänge.

Mutlosigkeit, Depression

Wenn Wasser fehlt, ist die Leber gezwungen, zur Entgiftung einen anderen Weg zu nehmen und „opfert“ dafür Aminosäuren, komplexe Proteine, die sonst als Ausgangsstoff für Botenstoffe im Nervensystem gebraucht werden. So auch zur Synthese des „Glückshormons“ Serotonin.

Ungeduld

Das geduldige Fortsetzen einer langwierigen Aufgabe erfordert eine stete Energiezufuhr ans Gehirn. Bleibt diese aus, werden Mechanismen in Gang gesetzt, sie zu verbessern.

Aufmerksamkeitsdefizite

Auch hier zeigt sich die Notwendigkeit von Wasser als Energieträger, die Konzentrationsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

Luftnot

Wie oben erwähnt, reguliert der Körper die Abatmung von Wasserdampf über die Weite der Bronchien. Bei entsprechender Vorbelastung durch Asthma oder COPD kann hierbei ein kritischer Wert überschritten werden und die Luft wird knapp.

Hunger

Wir neigen dazu, das Gefühl, daß „irgendetwas fehlt“ als Hunger mißzudeuten. Anstatt zu naschen, hilft häufig ein Glas Wasser.

Trinken Sie genug! Am besten stilles Wasser. Tee liefert zudem wichtige Mineralstoffe, die zur Entgiftung beitragen. Vorsicht mit Säften, denn diese enthalten zuviel Zucker. Stark verdünnt sind sie aber sinnvoll. Daß man Kaffee nicht mitzählen darf, ist überholt, man sollte es aber nicht übertreiben, um die Nieren nicht unnötig zu belasten.